Lars Klingbeil zu Besuch bei den Rotenburger Werken

“Die Rotenburger Werke leisten einen wichtigen Beitrag für unsere Region. Mir ist wichtig, nicht nur über Einrichtungen wie diese zu sprechen, sondern zuzuhören und die Anliegen mit nach Berlin zu nehmen”, so Klingbeil.
Ein Schwerpunkt des Gesprächs in Rotenburg war die Zukunft der Eingliederungshilfe. Bund, Länder und Kommunen haben sich im vergangenen Jahr intensiv mit Möglichkeiten beschäftigt, Leistungen und Verwaltungsverfahren zu vereinfachen und Bürokratie abzubauen. Auch die Rotenburger Werke sehen hier Potenzial.

“Ich halte es für richtig, dass wir darüber sprechen, wie wir Verfahren einfacher und Leistungen effizienter organisieren können. Wenn Beschäftigte in Einrichtungen einen erheblichen Teil ihrer Zeit für Bürokratie aufwenden müssen, fehlt diese Zeit am Ende für die Menschen, um die es eigentlich geht”, so Klingbeil.
Auch die finanzielle Situation von Bund, Ländern und Kommunen wurde offen angesprochen. Die Rotenburger Werke finanzieren ihre Arbeit nahezu vollständig über staatliche Leistungen. Gleichzeitig steigen Personal- und Sachkosten.
“Ich werde nicht verschweigen, dass wir beim Geld vor großen Herausforderungen stehen. Der Bundeshaushalt hat nicht unbegrenzt Mittel zur Verfügung. Gerade deshalb müssen wir uns sehr genau anschauen, wo wir Strukturen verbessern, Bürokratie abbauen und vorhandene Mittel sinnvoller einsetzen können”, sagte Klingbeil. “Für mich ist aber genauso klar: Das darf nicht dazu führen, dass Menschen mit Behinderung am Ende die Rechnung für finanzielle Engpässe bezahlen”, so Klingbeil.

Ein weiteres zentrales Thema war der Fachkräftemangel. Bei den Rotenburger Werken arbeiten Menschen aus nahezu 50 Nationen. Die Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland sei jedoch mit erheblichen bürokratischen Hürden verbunden. Anerkennungsverfahren, Prüfungen und aufenthaltsrechtliche Fragen könnten sich über Monate hinziehen. Auch die Kosten der Anwerbung würden nicht immer ausreichend refinanziert. Klingbeil verwies auf das Fachkräfteeinwanderungsgesetz und sagte zu, die Fälle zu prüfen.
Auch über neue Ansätze in der Betreuung wurde gesprochen. Dazu gehören eine stärkere Digitalisierung, neue Wohn- und Betreuungsmodelle sowie die Frage, wie Fachkräfte künftig sinnvoll eingesetzt werden können, ohne die Qualität der Unterstützung zu gefährden. Klingbeil begrüßte ausdrücklich den Innovationswillen der Werke. Eine Projektskizze für ein gemeinsames Förderprojekt will er mitnehmen und auf Bundesebene weiter besprechen.
Mit dem geplanten Innovationsquartier wollen die Rotenburger Werke zudem ihr historisches Kerngelände schrittweise zu einem offenen und inklusiven Stadtquartier weiterentwickeln. Auf rund 5,5 Hektar sollen Wohnen, Arbeiten, soziale Angebote, Bildung, Kultur, Freizeit und Grünflächen miteinander verbunden werden. Menschen mit und ohne Behinderung sollen dort selbstverständlich zusammenleben.

“Mit der Entwicklung des Innovationsquartiers wird Teilhabe zum Alltag und das Bundesteilhabegesetz bekommt ein konkretes Gesicht”, erklärt Geschäftsführer Thorsten Tillner. “Mitten in der Stadt entsteht so ein für alle attraktiver Stadtteil, der viele Möglichkeiten bietet”, ergänzt seine Kollegin Sabine Ulrich.

Zum Abschluss ging es auch um die zunehmende gesellschaftliche Härte, die die Rotenburger Werke wahrnehmen. Beschäftigte und Bewohner berichteten von einem raueren Ton und von Anfeindungen gegenüber Menschen mit Behinderung.

“Dass Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind, Anfeindungen und Hass erleben, dürfen wir als Gesellschaft nicht hinnehmen. Eine inklusive Gesellschaft zeigt sich gerade darin, wie wir mit den Menschen umgehen, die unsere Unterstützung brauchen”, sagte Klingbeil.